Stephan Mayer

Letzte Motorrad-Tour: mit der Royal Enfield nach Sardinien

Bildbericht von der Motorrad-Tour im September 2019 über 2755 km

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 italienische Tankstellen-Idylle

Weil ich inzwischen über 70 Jahre alt bin, seit 1972 (erste große Fahrt mit einer NSU Max nach Griechenland) viele Reisen gemacht habe, ist für Frühjahr 2020 das Ende meiner Motorrad-Touren und der Verkauf der wunderschönen Royal Enfield Classic Efi 500 geplant, zum Abschied jetzt eine Fahrt mit der Royal Enfield nach Sardinien.   -   Es war nicht ganz ohne Probleme.

Abfahrt Mitte September bei Km-Stand 14767 mit leichtem Nebel und kaltem Wetter, ab Traunstein Sonne und wärmer, über Brennerpass-Bundesstraße zum Gardasee und nach Cremona, ab hier sehr heiß,  sehr beeindruckend nach La Spezia von der Autobahn aus die zerklüfteten blendend weißen Bergruinen der Carrara-Marmor Steinbrüche. Weiter bis Livorno.

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 Warten im Hafen von Livorno auf die Fähre

von Olbia an der Ostküste entlang in Richtung Süden,  einsame Straßen und Strände (unten)

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über die legendäre SS125 zum Gebirgs-Pass von Dorgali nach Baunei

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zu den Stränden von Sa Foxi Manna und Barisoni bei Tertenia

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Landschaft bei Tertenia und Blick von der Terasse des Quartiers bei Tesonis auf Foxi Manna (unten)

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Golfo di Cagliari und Costa Rei

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Und das Problem ? -  Die Royal Enfield hat brav durchgehalten, Reifen dicht, Tank dicht, Öl aufgefüllt, Kette geschmiert, Bremsen ok, Benzin im Tank, Batterie voll ...

Aber das große Problem:

Bei der Rückfahrt war ich rechtzeitig an der Fähre in Olbia und konnte als einer der ersten an Deck, mir einen schönen regensicheren überdachten Platz für Luftmatraze und Schlafsack aussuchen. Gegen Mitternacht mitten auf See kam ein heftiges Gewitter mit Blitz und Donner und Wolkenbruchregen. Nix regensicher, der Sturm bließ die Wassermassen quer übers Deck überall hin. Ein Umzug ins Treppenhaus war aus “Sicherheitsgründen” nicht erlaubt, alle Deckspassagiere mussten am Boden im Speisesaal schlafen.

Am Morgen, früh um halb 6, bei der Ankunft in Livorno, immer noch heftiger Regen, also alles Gepäck regensicher einpacken, alle Wertsachen wie Handy, Tablet, Pass, Fotoapparat, Geld, Schlüssel in den Rucksack, unten in Garage Nr. 2 (die zweite von unten) Nierengurt, Regenkombi, Regenjacke und gelbe Sicherheitsjacke anziehen, Motorrad startklar machen und endlich runter vom Schiff in den Wolkenbruchregen hinein. Nach 5 km Fahrt merke ich: ich hab den Rucksack unten in Garage 2 stehen lassen, in der Hektik vergessen anzuziehen, mit all den Wertsachen !

Bei diesem Wetter auf der Schnellstraße war es nicht einfach umzukehren und den Hafen zu finden, nach Überfahren von 2 Sperrlinien bin ich doch bei der Fähre angekommen. Aber: “Nein, aufs Schiff kann man jetzt nicht mehr”.  Schiffsmitarbeiter, Hafenarbeiter, Zoll, Polizei: “nein da geht gar nichts, da müssen Sie bis zur nächsten Einschiffung am Abend warten” - beginnende Verzweiflung ...

Ich bin heimlich über eine Absperrung gestiegen, hab einen wichtig aussehenden Schiffsmitarbeiter mit orangener Sicherheitsjacke angesprochen, der hat mit seinem Handy den Einschiffungsoffizier an Bord angerufen und mich über ausgeschilderte Wege zum Fähreneingang geführt. Der Einschiffungschef hat erst umständlich einen Passierschein mit allen meinen Daten ausgefüllt und dann einen Arbeiter nach unten zur Garage Nr. 2 geschickt. Der ist nach 10 min mit meinem unversehrten Rucksack wieder gekommen.  - JUHU !

Ich bin dann gut mit ein bisschen Regen zum gebuchten Quartier nach Rovereto gekommen.

Am nächsten Tag Regenfahrt nach Hause, heftiger Dauerregen ab Sterzing, bin trotzdem wieder die Brennerbundesstraße gefahren. Über Kufstein, Rosenheim, Haag, Simbach nach Schärding, Ankunft nach zwei Wochen und 2755 km bei km 17522. Ich hatte übereinander an: 3 Paar Handschuhe, innen Seide, natürlich außen die regenfesten, am Oberkörper Regenkombi und 8 Schichten, an den Beinen 4 Schichten übereinander. Nach 9 Stunden Fahrt war alles pitschnass, wirklich nur die Unterhose und die Socken waren noch trocken. Und das Rätsel: trotz nasser Kleidung hab ich bei  8 bis 12 Grad Außen-Temperatur nicht gefroren. Ich vermute, dass die Nässe isolierend gewirkt hat, dass Nässe nur bei Verdunstung Kälte erzeugt, und verdunstet ist da unterm Regenkombi nichts.

Fazit: es war toll und abenteuerlich, wunderbar und schön. Aber jetzt ist es Zeit mit über 70 Jahren das Motorradfahren zu beenden.

Weitere Touren kann ich ja dann immer noch mit meiner Vepa PX200 machen  (siehe Photos Vespa)

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