Sternenhimmel heute: Der Himmel im Lauf des Jahres
- Der Anblick des Abendhimmels verschiebt sich pro Monat um rund 30 Grad nach Westen. Was im Januar um 22 Uhr im Süden steht, steht im Februar um 20 Uhr dort.
- Jede Jahreszeit hat ihre Leitsternbilder, Winter Orion, Frühling Löwe und Jungfrau, Sommer das Sommerdreieck und Skorpion, Herbst Pegasus und Andromeda, und ihre Paradeobjekte für Fernglas und Teleskop.
- Planeten stehen nicht in den Sternkarten, weil sie wandern. Sie sind an ihrem ruhigen Licht und ihrer Position nahe der Ekliptik zu erkennen; Jahreskalender und Apps nennen die aktuellen Stellungen.
- Für den Einstieg reichen eine drehbare Sternkarte, ein Fernglas und ein Abend pro Jahreszeit.
Warum sich der Himmel dreht
Die Erde dreht sich einmal am Tag um ihre Achse und einmal im Jahr um die Sonne. Die Tagesdrehung lässt die Sterne in einer Nacht von Ost nach West ziehen; der Jahresumlauf sorgt dafür, dass derselbe Anblick jeden Tag vier Minuten früher erscheint, pro Monat zwei Stunden. Der Winterhimmel um Mitternacht im Dezember ist der Abendhimmel im Februar und der Dämmerungshimmel im April. Wer den Himmel einmal für jede Jahreszeit kennt, kennt ihn zu jeder Stunde: Man muss nur wissen, wie viele Monate man vor- oder zurückrechnet.
Diese Seite beschreibt, was gegen 22 Uhr im Süden und hoch am Himmel steht, jeweils für die Mitte der Jahreszeit. Sie ersetzt keine Karte für den aktuellen Abend, aber sie gibt das Gerüst, in das sich jede Karte einordnet.
Winter (Dezember bis Februar)
Der Winterhimmel ist der hellste des Jahres. Orion steht im Süden, mit den drei Gürtelsternen, dem rötlichen Beteigeuze links oben und dem blauweißen Rigel rechts unten. Um ihn herum das Wintersechseck: Sirius im Großen Hund, der hellste Stern des Himmels, tief im Südosten; Prokyon im Kleinen Hund; Pollux und Kastor in den Zwillingen; Kapella im Fuhrmann im Zenit; Aldebaran im Stier mit den Hyaden als V-förmigem Haufen um ihn herum; und die Plejaden rechts darüber, das Siebengestirn, das schon die Menschen der Bronzezeit auf die Himmelsscheibe von Nebra setzten.
Für das Fernglas: der Orionnebel M42 unter dem Gürtel als leuchtender Fleck, die Plejaden als Sternenschauer, die Hyaden, der offene Haufen M35 in den Zwillingen, die Haufen M36, M37 und M38 im Fuhrmann. Für das Teleskop: der Orionnebel mit dem Trapez, die Wintermilchstraße, die vom Fuhrmann durch die Zwillinge zum Großen Hund läuft.
Frühling (März bis Mai)
Im Frühling zieht sich die Milchstraße an den Horizont zurück, und der Blick geht hinaus aus der Galaxis. Der Löwe steht im Süden, erkennbar an der Sichel (dem „Rückwärts-Fragezeichen“) mit Regulus am Fuß. Links davon die Jungfrau mit Spica, darüber der Bärenhüter mit dem orangen Arktur. Der Große Wagen steht hoch im Zenit, sein Deichselbogen weist auf Arktur und weiter auf Spica.
Für das Fernglas: der Praesepe-Haufen M44 im Krebs zwischen Löwe und Zwillingen, Melotte 111 im Haar der Berenike als weit gestreuter Haufen, das Doppelsternpaar Mizar und Alkor in der Deichsel des Wagens. Für das Teleskop ab 150 Millimetern unter dunklem Himmel: die Galaxien des Virgo-Haufens, M81 und M82 im Großen Bären, die Whirlpool-Galaxie M51, das Leo-Triplett. Der Frühling ist die Galaxienzeit, und er verlangt nach dunklem Himmel wie keine andere Jahreszeit.
Sommer (Juni bis August)
Die Nächte sind kurz, in Norddeutschland wird es im Juni nicht ganz dunkel. Dafür steht die Milchstraße hoch. Das Sommerdreieck aus Wega in der Leier, Deneb im Schwan und Atair im Adler steht abends im Osten, gegen Mitternacht hoch im Süden. Tief im Süden der Skorpion mit dem roten Antares, links davon der Schütze, in dem das Zentrum der Milchstraße liegt, von Mitteleuropa aus knapp über dem Horizont.
Für das Fernglas: die Milchstraße vom Schwan bis zum Schützen, mit der Sternwolke im Schild, dem Lagunennebel M8, dem Omeganebel M17, dem Wildentenhaufen M11; der Kugelhaufen M13 im Herkules; der Kleiderbügelhaufen im Fuchs. Für das Teleskop: M13 in Sterne aufgelöst, der Ringnebel M57 in der Leier, der Hantelnebel M27, Albireo im Schwan als gold-blauer Doppelstern. Und im August die Perseiden, der zuverlässigste Sternschnuppenstrom des Jahres.
Herbst (September bis November)
Die Milchstraße steht abends noch im Westen, im Süden wird es ruhig. Das Pegasus-Quadrat, vier Sterne zweiter Größe, ist das Leitsternbild. An seiner Nordostecke hängt die Kette der Andromeda, darüber Kassiopeia als W hoch im Zenit, darunter der Widder und die Fische. Fomalhaut im Südlichen Fisch steht tief im Süden als einziger heller Stern in dieser Gegend.
Für das Fernglas: die Andromedagalaxie M31 als längliches Leuchten, unter dunklem Himmel mit den Begleitern M32 und M110; der Doppelhaufen h und chi im Perseus; die Plejaden, die im Osten aufgehen und den Winter ankündigen. Für das Teleskop: M31 mit Staubband, der Kugelhaufen M15 im Pegasus, der Dreiecksgalaxie M33 bei guter Transparenz. Der Herbst bringt oft die klarsten Nächte des Jahres und lange Dunkelheit.
Planeten und Mond
Die Planeten sind nicht in den Jahreszeiten-Beschreibungen enthalten, weil sie wandern. Jupiter braucht zwölf Jahre für einen Umlauf und steht jedes Jahr ein Sternbild weiter, Saturn dreißig Jahre, Mars taucht alle zwei Jahre für einige Monate hell auf. Venus ist als Abend- oder Morgenstern nie weit von der Sonne entfernt. Alle Planeten bewegen sich nahe der Ekliptik, dem Band, auf dem auch Sonne und Mond laufen, und sie funkeln nicht. Ein Jahreskalender oder eine App nennt die aktuellen Stellungen.
Der Mond ist an etwa der Hälfte der Abende zu sehen und bestimmt, was sonst geht: Um Vollmond ist der Himmel für Deep-Sky-Objekte zu hell, um Neumond ist er dunkel. Die Mondphasen sind deshalb der erste Blick in jeden Beobachtungskalender, und der Mond selbst ist an den Abenden um das Erste Viertel das dankbarste Objekt überhaupt.
Werkzeuge
- Drehbare Sternkarte. Zwei Scheiben, Datum und Uhrzeit einstellen, fertig. Zeigt den ganzen Himmel ohne Licht und ohne Akku. Für die eigene Breite kaufen.
- Jahreskalender. Das „Kosmos Himmelsjahr“ und vergleichbare Bücher nennen Planetenstellungen, Finsternisse, Sternschnuppenströme und Mondphasen für jeden Monat.
- Stellarium. Als App und als Desktop- oder Webversion. Zeigt den Himmel für Ort und Zeit, mit Nachtmodus. Am Teleskop sparsam einsetzen, siehe Beobachtungsberichte.
- Ein Fernglas. Mit ihm werden aus den genannten Objekten Anblicke, siehe Fernglas für Astronomie.
Und der wichtigste Faktor bleibt der Himmel selbst: Unter Stadtlicht zeigt jede Jahreszeit nur ihre hellsten Sterne. Wie man den eigenen Himmel einschätzt und wo dunklere Orte liegen, steht unter Lichtverschmutzung.
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Fragen und Antworten
- Wie erkenne ich einen Planeten?
- Planeten funkeln kaum, Sterne funkeln stark. Planeten stehen immer nahe der Ekliptik, dem Band, auf dem auch Sonne und Mond wandern, also nie hoch im Norden. Venus und Jupiter sind heller als jeder Stern; Mars ist auffällig orange; Saturn gelblich und ruhig. Im Fernglas zeigt Jupiter seine Monde, im kleinen Teleskop Saturn seinen Ring.
- Welche App ist sinnvoll?
- Stellarium (auch als kostenlose Web- und Desktopversion) zeigt den Himmel für Ort und Zeit mit Planeten, Mond und Deep-Sky-Objekten und hat einen Nachtmodus. Für den Anfang genügt das. Am Teleskop bleibt eine drehbare Sternkarte praktischer, weil sie kein Licht macht.
- Was sehe ich mit bloßem Auge in der Stadt?
- Die hellsten Sterne der Leitsternbilder, Mond und Planeten, gelegentlich die Internationale Raumstation als hellen, lautlos ziehenden Punkt. Milchstraße, Nebel und Galaxien nicht. Dafür braucht es einen dunkleren Standort, siehe Lichtverschmutzung.
- Wann ist die beste Beobachtungszeit im Jahr?
- Für Deep-Sky die mondlosen Nächte von September bis April, weil sie lang und oft klar sind. Für Planeten die Monate, in denen sie in Opposition stehen, das wechselt jährlich. Für die Milchstraße Juli bis September. Und für den Mond jede Woche um Erstes und Letztes Viertel.
Weiterlesen
- Lichtverschmutzung
Rund 80 Prozent der Menschen in Deutschland haben die Milchstraße noch nie mit eigenen Augen gesehen. Nicht weil sie nicht hinschauen, sondern weil der Himmel über ihnen zu hell ist.
- Fernglas für Astronomie
Bevor das erste Teleskop gekauft wird, sollte ein Fernglas im Haus sein. Es zeigt in einer klaren Nacht mehr Objekte, als die meisten Menschen je im Teleskop sehen werden, und es bleibt auch danach das Gerät, das am häufigsten benutzt wird.
- Mondphasen
Der Mond leuchtet nicht selbst, er wird von der Sonne beschienen. Welchen Teil der beleuchteten Hälfte wir sehen, hängt allein von seiner Position auf der Bahn um die Erde ab.
- Himmelsscheibe von Nebra
Eine Bronzescheibe mit goldenem Mond, Sonne und Sternen, rund 3.600 Jahre alt, gefunden auf einem Hügel in Sachsen-Anhalt. Die Deutungen reichen von einem Kalender bis zu einem Kultobjekt. Wir ordnen die wichtigsten ein, mit Blick auf den Mond und auf das, was Menschen damals gesehen haben.
Zuletzt überarbeitet am 13. September 2026.