Mondphasen: Wie aus dem Neumond ein Vollmond wird
- Die Mondphasen entstehen, weil wir die von der Sonne beleuchtete Mondhälfte aus wechselnden Winkeln sehen. Der Erdschatten spielt dabei keine Rolle, der kommt nur bei der Mondfinsternis ins Spiel.
- Ein Phasenzyklus von Neumond zu Neumond dauert im Mittel 29,53 Tage (synodischer Monat). Ein Umlauf um die Erde relativ zu den Sternen dauert nur 27,32 Tage (siderischer Monat).
- Auf der Nordhalbkugel ist der zunehmende Mond rechts beleuchtet, der abnehmende links. Merkhilfe: Die Sichel des zunehmenden Mondes lässt sich zu einem „z" ergänzen, die des abnehmenden zu einem „a".
- Die beste Zeit für Fernglas und Teleskop ist nicht der Vollmond, sondern die Tage um die Halbmonde, wenn der Terminator lange Schatten wirft.
Woher die Phasen kommen
Der Mond ist eine Kugel, die zur Hälfte von der Sonne beleuchtet wird, immer. Was sich ändert, ist der Winkel, unter dem wir diese beleuchtete Hälfte sehen. Steht der Mond zwischen Erde und Sonne, zeigt uns seine Tagseite von der Erde weg: Neumond. Steht er auf der der Sonne gegenüberliegenden Seite der Erde, sehen wir die volle Tagseite: Vollmond. Dazwischen liegen alle Sichel- und Halbmondformen.
Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass die Mondphasen durch den Schatten der Erde entstünden. Das ist nicht der Fall. Der Erdschatten trifft den Mond nur bei einer Mondfinsternis, und die sieht ganz anders aus: Der Mond wird nicht zur Sichel, sondern verfärbt sich kupferrot. Die Phasen entstehen allein aus Beleuchtung und Blickwinkel, und die Grenze zwischen beleuchtetem und dunklem Teil, der Terminator, ist auf dem Mond einfach die Linie zwischen Tag und Nacht.
Die acht Phasen
| Phase | Alter des Mondes | Aufgang (ungefähr) | Sichtbar |
|---|---|---|---|
| Neumond | 0 Tage | mit der Sonne | nicht sichtbar |
| Zunehmende Sichel | 1 bis 6 Tage | Vormittag | abends im Westen |
| Erstes Viertel (Halbmond) | 7 Tage | Mittag | Nachmittag bis Mitternacht |
| Zunehmender Dreiviertelmond | 8 bis 13 Tage | Nachmittag | Abend und erste Nachthälfte |
| Vollmond | 14,8 Tage | Sonnenuntergang | die ganze Nacht |
| Abnehmender Dreiviertelmond | 16 bis 21 Tage | Abend | zweite Nachthälfte |
| Letztes Viertel (Halbmond) | 22 Tage | Mitternacht | Morgen bis Mittag |
| Abnehmende Sichel | 23 bis 28 Tage | früher Morgen | morgens im Osten |
Die Bezeichnung „Viertel“ verwirrt viele, weil man einen Halbmond sieht. Gemeint ist, dass ein Viertel des Zyklus vergangen ist. „Dreiviertelmond“ ist umgangssprachlich; der Fachbegriff für die Phase zwischen Halbmond und Vollmond lautet zunehmender beziehungsweise abnehmender Mond, im Englischen gibbous.
Zunehmend oder abnehmend?
Auf der Nordhalbkugel gilt: Der zunehmende Mond ist auf der rechten Seite beleuchtet, der abnehmende auf der linken. Zwei Merkhilfen haben sich bewährt. Die Sichel des zunehmenden Mondes lässt sich mit einem Strich zum Buchstaben „z“ ergänzen, die des abnehmenden zum „a“. Oder man merkt sich die Tageszeit: Der zunehmende Mond ist ein Abendmond, der abnehmende ein Morgenmond.
Auf der Südhalbkugel ist es umgekehrt, und in den Tropen liegt die Sichel oft wie eine Schale auf dem Rücken, weil die Ekliptik dort steil zum Horizont steht. Wer im Urlaub in Südafrika oder Australien den Mond „falsch herum“ sieht, erlebt keine Täuschung, sondern Geometrie. Warum die Sichel scheinbar an der Sonne vorbeizeigt, ist dagegen eine Täuschung: die Mondneigung.
Synodisch und siderisch
Der Mond umrundet die Erde in 27,32 Tagen, gemessen an den Sternen. Das ist der siderische Monat. Von Neumond zu Neumond vergehen aber im Mittel 29,53 Tage, der synodische Monat. Der Unterschied kommt daher, dass die Erde in diesen vier Wochen auf ihrer Bahn um die Sonne fast ein Zwölftel weitergerückt ist. Der Mond muss die zusätzliche Strecke aufholen, bis er wieder zwischen Erde und Sonne steht.
Weil die Mondbahn eine Ellipse ist und der Mond in Erdnähe schneller läuft, schwankt die tatsächliche Länge des synodischen Monats zwischen etwa 29,3 und 29,8 Tagen. Zwölf synodische Monate ergeben rund 354 Tage, elf Tage weniger als das Sonnenjahr. Dieser Unterschied ist der Grund, warum reine Mondkalender wie der islamische durch die Jahreszeiten wandern und warum gebundene Mondkalender Schaltmonate brauchen, die Regel, die möglicherweise auf der Himmelsscheibe von Nebra festgehalten ist.
Der Terminator: Wo es sich lohnt hinzuschauen
Für die Beobachtung mit Fernglas oder Teleskop ist der Vollmond die schlechteste Phase. Die Sonne steht dann senkrecht über der uns zugewandten Mondoberfläche, es gibt keine Schatten, die Krater verschwinden im flachen Licht, und die Helligkeit blendet. Wer den Mond bei Vollmond im Teleskop betrachtet, sieht eine flache, überstrahlte Scheibe mit hellen Strahlensystemen um Krater wie Tycho und Kopernikus, aber kaum Relief.
Ganz anders am Terminator. Entlang der Tag-Nacht-Grenze steht die Sonne für die Mondoberfläche tief am Horizont. Jeder Kraterrand, jeder Berg wirft einen langen Schatten. Die Oberfläche wirkt plastisch, fast greifbar, und sie verändert sich von Stunde zu Stunde, weil der Terminator pro Tag rund zwölf Grad über die Scheibe wandert. In den Tagen um das Erste Viertel liegen die großen Krater Ptolemaeus, Alphonsus und Arzachel, das Apenninen-Gebirge und das Mare Serenitatis im Streiflicht. Um das Letzte Viertel zeigt sich die Westhälfte mit Kopernikus und dem Oceanus Procellarum.
Was man sieht, lässt sich mit einer Mondkarte benennen, und für den Einstieg genügt ein Fernglas. Wer den Anblick festhalten möchte, findet die passenden Belichtungswerte unter Mond fotografieren.
Erdschein und Libration
Zwei Feinheiten fallen aufmerksamen Beobachtern früh auf. Erstens der Erdschein: Bei schmaler Sichel, wenige Tage nach oder vor Neumond, ist der dunkle Rest der Scheibe schwach zu erkennen. Das ist Sonnenlicht, das von der Erde zum Mond reflektiert wird. Leonardo da Vinci hat den Effekt als Erster richtig erklärt.
Zweitens die Libration: Der Mond zeigt uns nicht exakt immer dieselbe Hälfte, sondern schwankt leicht, weil seine Bahn elliptisch und gegen den Äquator geneigt ist. Über einen Monat verteilt werden dadurch rund 59 Prozent der Oberfläche sichtbar. Krater am Rand, etwa das Mare Orientale, tauchen mal auf und verschwinden wieder. Wer den Mond über Monate beobachtet, sieht ihn also nie zweimal genau gleich.
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Fragen und Antworten
- Warum dauert ein Mondzyklus länger als ein Mondumlauf?
- Weil sich die Erde während des Umlaufs auf ihrer Bahn um die Sonne weiterbewegt. Nach 27,3 Tagen steht der Mond wieder vor denselben Sternen, aber die Sonne hat sich inzwischen um etwa 27 Grad verschoben. Der Mond braucht gut zwei weitere Tage, um wieder dieselbe Stellung zur Sonne zu erreichen.
- Ist die dunkle Seite des Mondes immer dunkel?
- Nein. Der Mond dreht sich einmal pro Umlauf um sich selbst, deshalb sehen wir immer dieselbe Seite. Die Rückseite ist aber ganz normal von der Sonne beleuchtet, bei Neumond sogar vollständig. „Dunkle Seite" ist ein Sprachbild, gemeint ist die erdabgewandte Seite.
- Kann man den Mond auch am Tag sehen?
- Ja, an vielen Tagen im Monat. Der zunehmende Halbmond steht am Nachmittag im Osten am Taghimmel, der abnehmende Halbmond am Vormittag im Westen. Nur um Neumond herum ist er nicht zu sehen, weil er dann zu nah bei der Sonne steht.
- Was ist das aschgraue Mondlicht?
- Bei schmaler Sichel ist oft die dunkle Mondscheibe schwach erkennbar. Das ist Erdschein: Sonnenlicht, das von der Erde reflektiert wird und die Nachtseite des Mondes beleuchtet. Wer vom Mond aus zur Erde schaute, sähe in diesem Moment eine fast volle, hell leuchtende Erde.
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- Mondneigung
Abends steht der Halbmond im Süden, die Sonne ist gerade im Westen untergegangen. Die beleuchtete Hälfte des Mondes müsste genau dorthin zeigen. Sie zeigt aber deutlich zu hoch. Ein Rätsel, das sich mit einer Schnur lösen lässt.
- Mondkarte und Mondatlas
Ohne Karte ist der Mond im Fernglas ein Muster aus hellen und dunklen Flecken. Mit Karte wird daraus eine Landschaft mit Namen: das Meer der Ruhe, die Apenninen, der Krater Kopernikus.
- Mondfinsternis
Bei einer totalen Mondfinsternis verschwindet der Vollmond nicht, er verfärbt sich kupferrot. Das Ereignis ist ungefährlich, dauert Stunden und ist von der gesamten Nachtseite der Erde zu sehen.
Zuletzt überarbeitet am 13. September 2026.