Fernglas für Astronomie: Das unterschätzte Instrument
- Die erste Zahl ist die Vergrößerung, die zweite der Objektivdurchmesser in Millimetern. Ein 10x50 vergrößert zehnfach und hat 50-Millimeter-Objektive.
- Für den Nachthimmel zählt die Austrittspupille (Objektiv geteilt durch Vergrößerung): 5 bis 7 Millimeter passen zur dunkeladaptierten Pupille. 10x50 (5 mm) und 7x50 (7 mm) sind die Klassiker, 8x42 (5,3 mm) der leichte Allrounder.
- Ab zehnfacher Vergrößerung zittert das Bild aus der Hand. Ein Stativadapter oder ein Fernglas mit Bildstabilisator macht den Unterschied zwischen Ahnen und Sehen.
- Ein Fernglas zeigt Mondkrater, Jupitermonde, die Plejaden, die Andromedagalaxie, den Orionnebel und im Sommer die Sternwolken der Milchstraße.
Die Zahlen lesen
Auf jedem Fernglas stehen zwei Zahlen, etwa 10x50. Die erste ist die Vergrößerung, die zweite der Durchmesser der Objektive in Millimetern. Daraus ergeben sich die Kenngrößen, die für die Nacht zählen:
- Austrittspupille = Objektiv geteilt durch Vergrößerung. 10x50 ergibt 5 Millimeter, 7x50 ergibt 7, 8x42 ergibt 5,3, 10x25 ergibt 2,5. Die dunkeladaptierte Pupille des Auges öffnet sich bei jungen Menschen auf 7 Millimeter, mit 50 Jahren meist nur noch auf 5. Ist die Austrittspupille größer als die Augenpupille, geht Licht verloren; ist sie viel kleiner, wird das Bild dunkel. 5 Millimeter sind für die meisten ein guter Wert.
- Gesichtsfeld, angegeben in Metern auf 1.000 Meter oder in Grad. Ein 10x50 zeigt typischerweise 6 bis 7 Grad, ein 8x42 etwa 7 bis 8, ein 7x50 bis 7,5 Grad. Zum Vergleich: Der Mond ist ein halbes Grad groß, die Plejaden etwa 1,5 Grad, der Große Wagen passt nicht ganz hinein.
- Lichtsammelvermögen. Ein 50-Millimeter-Objektiv sammelt etwa 50-mal so viel Licht wie das nachtadaptierte Auge, auf beiden Seiten. Das ist der Grund, warum ein Fernglas Sterne bis zur neunten Größenklasse zeigt, das Auge nur bis zur sechsten.
Welche Bauart
Porro-Prismen erkennt man an der Knickform: Die Objektive liegen weiter auseinander als die Okulare. Sie liefern für wenig Geld ein helles, kontrastreiches Bild mit guter Tiefenwirkung und sind bei Astronomen beliebt. Nachteil: schwerer und sperriger, empfindlicher gegen Stöße.
Dachkant-Prismen ergeben die schlanke, gerade Form. Sie sind kompakter, leichter und meist robuster, aber bei gleichem Preis optisch schwächer, weil sie eine Phasenkorrekturbeschichtung brauchen, die günstige Modelle nicht haben. Ein gutes Dachkant-8x42 ist ein wunderbares Allround-Glas; ein billiges ist für die Nacht schlechter als ein Porro zum gleichen Preis.
Bildstabilisierte Ferngläser gleichen das Zittern der Hände elektronisch aus und erlauben freihändig 12- bis 15-fache Vergrößerung. Sie sind teuer und batterieabhängig, aber für Beobachter ohne Stativ ein Sprung nach vorn.
Die drei Standardgrößen
| Fernglas | Austrittspupille | Gewicht | Freihändig | Stärke |
|---|---|---|---|---|
| 7x50 | 7,1 mm | 800 bis 1000 g | ja, sehr ruhig | helles Bild, Milchstraße, junge Augen |
| 8x42 | 5,3 mm | 600 bis 800 g | ja | leicht, Tag und Nacht, Reisen |
| 10x50 | 5,0 mm | 800 bis 1000 g | grenzwertig | Details, dunkler Hintergrund, der Astro-Standard |
| 15x70 | 4,7 mm | 1300 bis 1600 g | nein | Großfernglas, deutlich mehr Objekte, Stativ Pflicht |
Wer nur eines kaufen will, nimmt ein 10x50 mit Stativgewinde. Wer es auch tagsüber und auf Reisen nutzen will, ein 8x42. Wer schon eines hat, sollte es erst einmal benutzen: Fast jedes vorhandene Fernglas zeigt am Himmel mehr, als sein Besitzer vermutet.
Ruhig halten
Ab zehnfacher Vergrößerung sieht man das Zittern der eigenen Hände. Vier Abhilfen, von billig nach teuer:
- Abstützen. Ellbogen auf eine Mauer, ein Autodach, die Knie im Liegestuhl. Der Liegestuhl ist ohnehin das beste Möbel für die Fernglas-Astronomie, weil man entspannt in den Zenit schauen kann.
- Stativadapter. Eine Schiene, die in das Gewinde an der Mittelachse geschraubt wird und auf jedes Fotostativ passt. Kostet wenig, verwandelt das Fernglas. Nachteil: Objekte hoch am Himmel sind auf dem Stativ unbequem.
- Parallelogramm-Montierung. Ein Gestänge, das das Fernglas in jeder Höhe schwebend hält und mit dem Kopf mitführt. Der Luxus für Fernglas-Beobachter.
- Bildstabilisator. Freihändig ruhig, auch bei 12- oder 15-fach.
Was man sieht
Mit einem 10x50 unter einem mittelmäßigen Himmel und mit etwas Übung:
- Der Mond: die Maria, die großen Krater Tycho, Kopernikus, Plato, Clavius, das Apenninengebirge am Terminator, der Erdschein bei schmaler Sichel. Mit der Mondkarte lassen sich rund 30 Formationen benennen. Und der Erbsen-Test zur Mondtäuschung fällt danach noch leichter, weil man weiß, wie klein der Mond wirklich ist.
- Planeten: die vier großen Jupitermonde als Perlenkette, die sich von Nacht zu Nacht umstellen; Saturn als längliches Scheibchen, der Ring ist bei 10-fach erahnbar, nicht getrennt; die Phasen der Venus in der Sichelstellung.
- Sternhaufen: die Plejaden als Sternenschauer, die Hyaden, das Doppelhaufenpaar h und chi im Perseus, die Praesepe im Krebs, im Sommer die Haufen im Schützen und Skorpion.
- Nebel: der Orionnebel als leuchtender Fleck mit dem Trapez, der Lagunennebel, die Nordamerika-Region bei sehr dunklem Himmel.
- Galaxien: die Andromedagalaxie als langgestreckter Nebel mit hellem Kern, unter dunklem Himmel über zwei Grad lang; M33 im Dreieck bei perfekten Bedingungen.
- Die Milchstraße: im Sommer und Herbst als Band aus tausenden Sternen, mit Staubwolken und Sternwolken, das im Fernglas Stunden füllt.
Wann diese Objekte am Himmel stehen, verrät der Sternenhimmel heute. Wer nach einigen Nächten mehr will, findet unter Teleskop für Einsteiger den nächsten Schritt. Das Fernglas bleibt dabei: für die Übersicht, für die Suche und für die Nächte, in denen das Teleskop im Keller bleibt.
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Fragen und Antworten
- 7x50 oder 10x50?
- Das 7x50 hat eine Austrittspupille von 7 Millimetern und ein besonders helles, ruhiges Bild, aber nur junge Augen mit weiter Pupille nutzen das ganze Licht; ältere Beobachter verschenken einen Teil. Das 10x50 zeigt mehr Details und dunkleren Himmelshintergrund, verlangt aber ruhige Hände oder ein Stativ. Für die meisten ist 10x50 die bessere Wahl.
- Was bedeutet Dämmerungszahl?
- Die Wurzel aus Vergrößerung mal Objektivdurchmesser, ein Maß für die Detailerkennung bei schwachem Licht. 10x50 ergibt 22,4, 8x42 ergibt 18,3. Die Zahl ist für die Jagd erfunden worden und für die Astronomie nur bedingt aussagekräftig; die Austrittspupille ist wichtiger.
- Brauche ich ein Stativ?
- Bei 10-facher Vergrößerung hilft es enorm, bei 7- oder 8-fach geht es auch ohne. Ein einfacher Stativadapter, der das Fernglas an der Mittelachse fasst, kostet wenig. Alternativ: sich in einen Liegestuhl legen und die Ellbogen abstützen. Viele Beobachter nutzen das Fernglas fast nur so.
- Was ist ein Großfernglas?
- Ferngläser ab 70 Millimetern Öffnung, etwa 15x70 oder 20x80, oft mit Winkeleinblick. Sie zeigen deutlich mehr als ein 10x50, wiegen aber ab zwei Kilogramm und sind ohne Stativ nicht zu halten. Für Beobachter, die das Fernglaserlebnis mögen, aber mehr Licht wollen, ein lohnender Schritt.
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Zuletzt überarbeitet am 13. September 2026.