Mondkarte und Mondatlas: Orientierung auf dem Mond
- Die dunklen Flecken des Mondes sind Maria, erstarrte Lavaebenen. Die hellen Regionen sind die älteren, kraterreichen Hochländer. Beides ist mit bloßem Auge zu unterscheiden.
- Für das Fernglas reicht eine einfache Übersichtskarte mit den Maria und den zehn größten Kratern. Für das Teleskop braucht es einen Atlas mit Kartenblättern, der Standard ist der Mondatlas von Antonín Rükl.
- Teleskope zeigen den Mond je nach Bauart auf dem Kopf oder spiegelverkehrt. Karten gibt es deshalb in mehreren Orientierungen; Apps drehen das Bild passend zum Gerät.
- Am lohnendsten ist die Karte entlang des Terminators, wo die Sonne gerade aufgeht und Krater im Streiflicht stehen.
Die Landschaft im Überblick
Schon mit bloßem Auge zeigt der Mond zwei Arten von Gelände. Die dunklen Flecken, die das „Gesicht“ im Mond bilden, sind die Maria: weite Ebenen aus erstarrter Lava, entstanden, als vor drei bis vier Milliarden Jahren Basalt aus dem Mondinneren die größten Einschlagbecken füllte. Die hellen Flächen sind die Hochländer, älter, höher und übersät mit Kratern. Auf der uns zugewandten Seite bedecken die Maria rund ein Drittel der Fläche, auf der Rückseite fast nichts, ein Unterschied, den erst Raumsonden aufgedeckt haben.
Für den Einstieg genügt es, fünf Maria zu kennen. Im Osten (auf dem Mond ist Osten dort, wo die Sonne aufgeht, also auf der rechten Seite der Scheibe, wenn der Mond zunimmt) liegt das Mare Crisium als klar umgrenztes Oval. Daneben ziehen das Mare Tranquillitatis und das Mare Serenitatis in die Mitte. Im Nordwesten breitet sich das große Mare Imbrium aus, gerahmt von Gebirgen, und im Westen der Oceanus Procellarum, die größte dunkle Fläche überhaupt.
Krater, Gebirge, Rillen
Krater sind Einschlagnarben, und sie sind auf dem Mond deshalb so gut erhalten, weil es keine Atmosphäre, kein Wasser und keine Plattentektonik gibt, die sie abtragen könnten. Die größten sichtbaren Krater messen über 200 Kilometer, etwa Clavius im Süden, die kleinsten, die ein Amateurteleskop zeigt, wenige Kilometer. Einige Krater besitzen ein Strahlensystem aus hellem Auswurfmaterial, das sich bei Vollmond über hunderte Kilometer zieht; Tycho und Kopernikus sind die Paradebeispiele.
Die Gebirge tragen irdische Namen: Apenninen, Alpen, Kaukasus, Karpaten. Sie sind keine Faltengebirge, sondern die aufgeworfenen Ränder der Einschlagbecken. Die Montes Apenninus am Südostrand des Mare Imbrium ragen bis 5.000 Meter auf und werfen um das Erste Viertel Schatten, die selbst im Fernglas als gezackte Linie erkennbar sind. Dazu kommen Rillen (Rimae), Verwerfungen wie die Rupes Recta, die „Gerade Wand“, und einzelne Berge wie der Mons Piton, die aus dem Mare Imbrium ragen.
Was man auf einer Karte braucht
Für das Fernglas reicht eine Übersichtskarte mit den Maria, den zehn größten Kratern und den Landeplätzen der Apollo-Missionen. Sie sollte den Mond so zeigen, wie das Fernglas ihn zeigt, aufrecht und seitenrichtig.
Für das Teleskop braucht es mehr. Der Standard ist seit Jahrzehnten der Mondatlas von Antonín Rükl mit 76 Kartenblättern, die die sichtbare Seite in handlichen Ausschnitten zeigen. Jedes Blatt nennt Krater, Rillen, Berge und Durchmesser. Das Buch ist am Teleskop mit Rotlicht gut lesbar und tut, was ein Atlas soll: Aus einem Krater im Okular wird ein Name, aus dem Namen ein Durchmesser, aus dem Durchmesser ein Gefühl für den Maßstab.
Apps wie Moon Atlas oder die Mondkarte in Stellarium zeigen zusätzlich den aktuellen Terminator, drehen das Bild passend zum Teleskop und beschriften auf Fingertipp. Sie sind praktisch, stören aber die Dunkeladaption; für den Mond, der ohnehin blendet, ist das weniger schlimm als für Deep-Sky-Objekte.
Orientierung im Teleskop
Ein Newton-Teleskop, etwa ein Dobson, zeigt den Mond auf dem Kopf. Ein Refraktor oder Maksutov mit Zenitspiegel zeigt ihn aufrecht, aber seitenverkehrt. Beides ist gewöhnungsbedürftig, aber unproblematisch, sobald man einen markanten Krater als Anker benutzt: Tycho mit seinem Strahlensystem oder das Mare Crisium als Oval am Rand. Die Karte wird so gedreht oder gespiegelt, dass der Anker stimmt, dann passt der Rest.
Ein weiterer Effekt ist die Libration: Der Mond schwankt leicht, sodass Randgebiete mal besser, mal schlechter sichtbar sind. Karten zeigen den Mittelwert; wer am Rand ein Objekt sucht, das die Karte verspricht, kann an einem schlechten Librationstag vergeblich schauen.
Der Terminator als Fahrplan
Die Karte entfaltet ihren Wert entlang der Tag-Nacht-Grenze. Dort steht die Sonne für die Mondoberfläche tief, jeder Kraterwall wirft einen langen Schatten, und die Karte hilft, das Gesehene zu benennen. Der Terminator wandert pro Tag um rund zwölf Grad, deshalb sieht jeder Abend anders aus. Grob gilt:
- Tag 3 bis 5 nach Neumond: Mare Crisium, Krater Langrenus, Petavius mit seiner Rille.
- Tag 6 bis 8 (Erstes Viertel): Mare Serenitatis, Mare Tranquillitatis, die Krater Theophilus, Cyrillus, Catharina, die Apenninen, Ptolemaeus, Alphonsus, Arzachel.
- Tag 9 bis 11: Mare Imbrium mit Plato, Archimedes, Kopernikus, Clavius und Tycho im Süden, die Gerade Wand.
- Tag 12 bis 14: Oceanus Procellarum, Kepler, Aristarchus als hellster Fleck des Mondes, Grimaldi als dunkelster.
Wann diese Tage anstehen, ergibt sich aus den Mondphasen. Welches Gerät welche Details zeigt, steht unter Fernglas für Astronomie und Okulare. Und wer das Gesehene festhalten möchte, findet die Vorlage dafür bei den Beobachtungsberichten.
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Fragen und Antworten
- Warum ist der Mond im Teleskop auf dem Kopf?
- Ein astronomisches Teleskop ohne Umkehrprisma liefert ein um 180 Grad gedrehtes Bild. Mit einem Zenitspiegel wird es aufrecht, aber seitenverkehrt. Gute Karten und Apps bieten alle Varianten; im Zweifel dreht man die Karte so, dass ein markanter Krater in der richtigen Richtung liegt.
- Was sind die Maria?
- Lateinisch für Meere, so genannt, weil frühe Beobachter dunkle Flächen für Wasser hielten. Tatsächlich sind es Ebenen aus dunklem Basalt, die vor drei bis vier Milliarden Jahren große Einschlagbecken füllten. Die bekanntesten sind das Mare Imbrium (Regenmeer), das Mare Serenitatis (Meer der Heiterkeit) und das Mare Tranquillitatis (Meer der Ruhe), Landeplatz von Apollo 11.
- Welche Krater sollte ich als Erstes suchen?
- Tycho im Süden mit seinem hellen Strahlensystem, Kopernikus in der Mitte der westlichen Hälfte, Plato als dunkel gefüllte Ebene am Nordrand des Mare Imbrium und die Dreiergruppe Ptolemaeus, Alphonsus und Arzachel nahe der Mitte. Alle vier sind im Fernglas erkennbar.
- Reicht eine App statt einer gedruckten Karte?
- Für die meisten ja. Apps zeigen den aktuellen Terminator, drehen das Bild passend und beschriften auf Fingertipp. Nachteil ist das Display, das die Dunkeladaption stört; Nachtmodus einschalten. Eine laminierte Karte hat am Teleskop trotzdem Vorteile: kein Akku, kein Licht, kein Tau.
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Zuletzt überarbeitet am 13. September 2026.